Versicherungen beim Hausbau: Diese sind für Bauherren während der Bauphase wichtig

Wer sich für den Hausbau entscheidet, geht neue Risiken ein. Vorhandene private Haftpflichtversicherungen decken nicht alles ab. Für einen sinnvollen Versicherungsschutz sind daher während der Bauphase und danach einige Versicherungen notwendig, um im Schadensfall kein finanzielles Fiasko zu erleben. Auch wir haben einige Versicherungen bereits abgeschlossen bzw. sind noch dabei. Daher möchte ich euch einen kleinen Ratgeber rund um Bauherrenversicherungen an die Hand geben.

Versicherungen beim Hausbau bzw. für Bauherren

1. Bauleistungsversicherung

Bei während der Bauzeit unvorhersehbar auftretenden Schäden schützt die Bauleistungsversicherung (früher auch “Bauwesenversicherung” genannt). Sie schützt insbesondere vor Sturm, Hochwasser oder anderer höherer Gewalt (kein Feuer, Blitz oder Explosionen – außer gesondert vereinbart). Abgedeckt werden auch Vandalismus und Diebstahl. Ich habe gerade erst in der Zeitung gelesen, dass Diebe Kupferkabel aus einem Neubau gerissen haben. So etwas ist sehr ärgerlich und durch erneute Material- und Arbeitskosten auch teuer. Thema Diebstahl: Nicht versichert sind nicht verbundene Bestandteile (z.B. haftet sie nicht bei nicht montierten Heizkörpern).

Dauer Kosten Sinnvoll?
bis zur Bezugsfertigkeit, maximal aber 18 bis 24 Monate abhängig von Baukosten des Gebäudes abzüglich Erschließung, Gründstücks- und Architektkosten. Bei einer Bausumme von 200.000 € sind das einmalig etwa 200 € für die Bauleistungsversicherung. Die Selbstbeteiligung liegt je nach Gesellschaft und Tarif bei 250 bis 1.000 €. Check, ein Muss!
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2. Bauherrenhaftpflichtversicherung

Beispiele für Gefahren und Haftungen:
  • Nicht abgedeckte Gruben
  • Schäden durch Staub und Schmutz
  • herunterstürzende Gerüste
  • Straßenverunreinigungen
  • Unfälle von spielenden Kindern
  • Verletzungen von Handwerkern
  • Nachbarhaus wird beschädigt
  • Bauzaun fällt um und beschädigt Auto

Eine Bauherrenhaftpflichtversicherung ersetzt Schäden gegenüber Dritten an fremden Sachen und Personen, die durch die Baustelle geschädigt werden. D.h. sobald mit dem Hausbau begonnen wird, haftet man als Bauherr gegenüber Schäden an Personen und Sachen auf der Baustelle und das in unbegrenzter Höhe(!). Daher ist die Versicherung Pflicht. Für Gefahren auf der Baustelle, die entstehen haftet man als Bauherr und sollte daher eine Bauherrenhaftpflichtversicherung haben. Architekt/Bauleiter und Bauunternehmer haften natürlich ebenfalls mit. Für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften ist man gerade, wenn man mit einem Bauleiter zusammen baut ebenfalls verantwortlich.

Dauer Kosten Sinnvoll?
Versicherungsschutz ab Zahlung des Beitrags bis zur Hausfertigstellung, maximal aber bis 24 Monate. Am besten abschließen, sobald Grundstückspreis bezahlt wurde. abhängig von Bausumme, Eigenleistungen, Wohnfläche, Gebäudetyp und Bauart. Bei einer Bausumme von 200.000 € (inkl. 25.000 € Eigenleistungen) sind das etwa 80 bis 100 € für die Bauherrenhaftpflichtversicherung (ohne Selbstbeteiligung) bei einem Massivhaus. Check, Pflicht!
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3. Feuerrohbauversicherung

Wer sein Haus finanziert, muss auf eine Feuerrohbauversicherung zurückgreifen. Sie sichert gegen Feuerschäden im Rohbau ab. Finanzierungsinstitute zahlen in der Regel keine Kredite aus, wenn der Rohbau nicht entsprechend abgesichert ist. Daher sollte man als Bauherr einen entsprechenden Schutz haben. Abgesichert sind Schäden bei fertiggestellten Gebäudeteile oder Baumaterialien durch Brand, Explosion, Blitz oder Abstürze/Aufprall von Flugzeugen. Erstattet werden auch entstehende Kosten bei Abbrüchen, Aufräumungsaktionen und sogar Verluste bei Mieteinnahmen.

Tipp: Beim Abschluss einer Wohngebäudeversicherung ist der Rohbau während der Bauphase (max. 12 Monate) oft gegen Feuer mitversichert. Die Feuerrohbauversicherung muss also bei rechtzeitiger Anmeldung der Wohngebäudeversicherung nicht extra abgeschlossen werden.
Dauer Kosten Sinnvoll?
Während der Bauphase, maximal aber bis 12 Monate in der Wohngebäudeversicherung enthalten Check, Pflicht!
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4. Bauhelferversicherung

Bauhelferversicherung

Bauhelferversicherung (Bild: #56020100© Kzenon – Fotolia.com)

Wer sein eigenes Haus mit viel Eigenleistungen und mit Hilfe von Freunden und Familie baut, sollte sich auch Gedanken über die Versicherung der Bauhelfer machen. Was ist, wenn einem der Bauhelfer etwas passiert? Ein Freund könnte etwa vom Dach stürzen oder der Schwiegervater sich beim Sägen verletzen. In solchen Fällen sichert die Bauhelferversicherung vor finanziellen Folgen ab, die man als Bauherr sonst hätte. Unterschieden wird dabei zwischen der privaten Bauhelferunfallversicherung und der gesetzlichen Pflichtversicherung bei der Bauberufsgenossenschaft (BauBG).

Bauhelferversicherung bei der BauBG

Spätestens eine Woche nach Baubeginn ist man als Bauherr verpflichtet alle Bauhelfer bei der BauBG zu melden. Wer das nicht macht, kann ein hohes Bußgeld erhalten. Die BauBG ist über Neubauvorhaben informiert. Das sollte daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wenn alle Bauhelfer unter 40 Stunden am Bau helfen, ist die Versicherung sogar beitragsfrei. Sonst fallen je nach Wohnort etwa 2 € pro Arbeitsstunde an. Bauherr und Ehepartner sind nicht versichert.

Kritik Leider gibt es im Netz diverse Stimmen, die die BauBG kritisieren, weil Sie im Schadensfall die Zahlungen nicht übernimmt und sich auf eine “Gefälligkeitsleistung” beruft. Nur wenn Familienangehörige, Verwandte, Nachbarn und Kollegen beim Hausbau wie “echte” Arbeitnehmer anpacken, sind sie versichert. Wenn der Vater beispielsweise ach so oft hilft, kann die BauBG es als eine Gefälligkeitsleistung ansehen und bei einem Unfall nicht zahlen. Teilweise sind einige erschreckende Schicksale dabei.

Private Bauhelferversicherung

Den eingeschränkten Leistungen der BauBG stehen auch Bauhelferversicherungen in der Versicherungswirtschaft zur Verfügung. Bauherren und deren Ehepartner sollten eine Berufsunfähigkeits oder eine private Unfallversicherung abschließen. Versichert sind bei der privaten Bauhelferversicherung alle freiwilligen Helfer, die im Auftrag des Bauherren beim Hausbau helfen – unentgeltlich versteht sich. Es müssen auch nicht alle Personen mit Namen genannt werden. Es reicht aus, wenn man eine Anzahl angibt (daher sehr flexibel!). Übrigens sind Wege zur oder von der Baustelle nicht versichert. Sobald man das Baugrundstück verlässt, gibt es keinen Versicherungsschutz mehr.

Dauer Kosten Sinnvoll?
Während der Bauphase, maximal aber bis 12 Monate. Dauert der Bau länger? Dann kostenpflichtige Verlängerung (manuell) nötig. 25 bis 50 Euro pro Helfer (mit Namensnennung), 40 bis 70 Euro pro Helfer (ohne Namensnennung) – meist ist ein Mindestbetrag von 130 bis 200 Euro vorgegeben Check, bei vielen Eigenleistungen
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5. Baufertigstellungsversicherung

Hausbau Versicherungen

Hausbau Versicherungen (Bild: #43621114 © Robert Kneschke – Fotolia.com)

Wer seinen Hausbau beginnt und mit einem Baupartner (Baubetreuer, Architekt, Bauunternehmer, Fertighausbauer) zusammenarbeitet, geht davon aus, dass alles gut läuft. Doch was passiert, wenn der Baupartner insolvent geht? Bauleistungen und Zahlungen werden eingestellt. Jeder Tag ohne Fortschritt kostet einen Bauherren Geld. Das wäre der klassische Fall bei dem die Baufertigstellungsversicherung einspringt. Sie übernimmt Mehrkosten, die in der Bauphase entstehen, wenn ein Baupartner in’s Insolvenzverfahren muss.

Aus dem Leben: Ein Hausbau ohne Baufertigstellungsversicherung kann ganz schön weh tun (nicht nur finanziell). Da bringt auch die genaueste und beste Baufinanzierung nichts. Wir haben im Freundeskreis ein Pärchen bei dem der Bauträger insolvent gegangen ist. Sie müssten bereits in der Rohbauphase eine Nachfinanzierung in Höhe von 30.000 € machen, haben sich aber entschieden mit vielen Eigenleistungen und Einsparungen den Hausbau selbst abzuschließen. Mit einer Baufertigstellungsversicherung wären sie kein Risiko eingegangen – aber am Ende ist man immer schlauer.

So eine Baufertigstellungsversicherung schließt meist der Baupartner ab. Den Preis zahlt man innerhalb des Hausbaupreises mit. Eine Baufertigstellungsversicherung erhalten übrigens nicht alle Baupartner. Da die Versicherungsgesellschaft das Unternehmen unter die Lupe nimmt, bekommen nur finanziell gut stehende Baupartner eine solche Versicherung. Für einen Bauherren natürlich ein tolles Zeichen für den Hausbau. Wann eine Baufertigstellungsversicherung unnötig ist? Wenn der Baupartner Sicherheitsleistungen erbringt.

Es gibt drei Arten von Baufertigstellungsversicherungen:

  • Ausführungsbürgschaft (gilt während der Bauphase)
  • Gewährleistungsbürgschaft (gilt nach Bauende)
  • Vertragserfüllungsbürgschaft (sinnvolle: Kombination aus den beiden oben!)

Das waren zunächst die wichtigsten Versicherungen in der Bauphase. In einem separaten Beitrag will ich auf weitere Versicherungen eingehen, die teilweise Pflicht und generell möglich sind.


Dauer Kosten Sinnvoll?
siehe oben meist in den Hausbaukosten enthalten Check, beim Bau mit Baupartnern
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Geschrieben von

Konstantin (Jahrgang 1984) lebt bei Hannover und ist Autor dieses Blogs. Zusammen mit seiner Frau Anna und mit Unterstützung von Familie und Freunden baut er sich sein Traumhaus.

3 Kommentare

  1. Steffen u. Doreen Reply

    Hallo Anna, Hallo Konstantin,
    liebe Nachbarn 🙂 !

    Wir sind Grundstücksbesitzer Nr. 4 ! Schön Euch kennen zu lernen!

    LG und auf gute Nachbarschaft!

    • Hallo Nachbarn 🙂

      wir haben uns ja bereits geschrieben. Wollte hier aber auch kurz noch einen Kommentar hinterlassen: Wir freuen uns auch Euch kennen zu lernen. Es dauert ja nicht mehr lange, bis es endlich los geht. 🙂

      Auf eine gute Nachbarschaft.

      Viele Grüße,
      Konstantin

  2. Eine richtig gute Internetseite hast du hier aufgebaut! Daumen hoch und Danke für die zahlreichen Tipps !

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