Estrichdämmung: Boden dämmen in Eigenleistung

Um Kosten zu sparen, stand für uns schon sehr früh fest, dass wir die Estrichdämmung in Eigenleistung übernehmen. Hier muss man sagen, dass wir einen Klasse Estrichleger hatten, der a.) fit in Sachen DIN ist un b.) viele Tipps parat hatte. Mit ihm hatten wir abgesprochen, dass wir in Eigenleistung den Boden dämmen und er den Zementestrich einbringt.

Dämmung festlegen

Vom Architekten hatten wir bereits einen Fußbodenaufbau grob vorgegeben bekommen. Im EG sah dieser einen Aufbau von 20 cm vor. Im OG waren zunächst 13 cm geplant, allerdings mussten wir wegen dem Rohrsystem unserer Zentralstaubsauganlage auf 14 cm aufstocken. Der Estrichleger ist zunächst alle Räume mit einem Messgerät (elektronische Schlauchwaage) abgelaufen und hat die Höhen gemessen. Da wir beim Betonieren der Bodenplatte und Decke sauber gearbeitet haben, konnte die Dämmung in der geplanten Stärke eingebaut werden. Das ist nicht immer so: Im Baugebiet habe ich bereits gehört, dass teilweise 5 cm Unterschied waren – diese 5 cm Dämmung fehlen dann teilweise in den Räumen.

Alukaschierte PUR-Dämmung statt EPS (Styropor)

Er riet uns dringend im EG statt Styropor eine alukaschierte PUR Dämmung zu nehmen. Die PUR-Dämmung hat eine WLG024 und damit aktuell beste (bezahlbare) Dämmeigenschaften. Der Aufpreis ist natürlich nicht ohne: Für die beidseitig alukaschierte Estrichdämmung haben wir in etwa doppelt so viel gezahlt. Im EG waren es etwas über 1.300 Euro für die alu-kaschierte Dämmung. Laut Estrichleger merkt man den Unterschied aber bereits in der Rohbauphase im Winter, ob jemand EPS (Styropor) oder eben die PUR-Dämmung verlegt hat. Außerdem reagiert die Fußbodenheizung schneller, weil die Aluschicht die Wärme besser reflektiert. Verarbeiten lässt sich die alukaschierte Dämmung auch noch etwas schwieriger.

Dämmung Aufbau im EG (von unten nach oben)

  • 20 mm EPS 035 DEO dm
  • 50 mm PUR/PIR Dämmplatte ML WLS024
  • 20 mm PUR/PIR Dämmplatte ML WLS024
  • 20 mm PUR/PIR Dämmplatte ML WLS024
  • 30-3 Trittschalldämmung / Tackersystem für Fußbodenheizung WLG 040

Warum so viele Schichten? Welche Dämmplatten wir nehmen sollten, hatte der Estrichleger anhand der verlegten Rohre (Heizung, Elektro, Zentralstaubsauger) festgelegt. Eigentlich hätten wir statt 20 und 50 mm PUR-Dämmplatten eine 70 mm Dämmplatte nehmen sollen: Allerdings war diese nirgendwo auf Lager und hätte mit 4 Wochen Lieferzeit bestellt werden müssen. Es gab zum gleichen Preis aber eben 20 + 50 mm. Das hatte außerdem den Vorteil, dass wir mehr Fugenüberlappungen zwischen den Platten haben und dadurch bessere Wärmedämmung. Natürlich war es bei der zusätzlichen Schicht umso aufwändiger die Dämmung zu verlegen. Da wir das in Eigenleistung machen, entstehen zumindest keine Zusatzkosten. Von Vorteil ist auch die oberste 20 mm PUR-Dämmplatte. Diese ist im gesamten Erdgeschoss durchgehend ohne Unterbrechungen (Perlite) verlegt.

Dämmung Aufbau im OG (von unten nach oben)

  • 60 mm EPS 035 DEO dm
  • 25-3 Trittschalldämmung / Tackersystem für Fußbodenheizung WLG 040

Einzige Ausnahme, was die Dämmstärken angeht, bilden die beiden bodengleichen Duschen. Damit der Estrichleger hier ein Gefälle beim Verlegen des Estrichs einbauen konnte, haben wir jeweils 20 mm Dämmung weggelassen. Bestellt hatte ich bei einem Händler hier in der Umgebung, der auf Dämmung und Trockenbau spezialisiert ist. Er hat nicht nur den besseren Preis als der Baustoffhändler gemacht, sondern auch noch die bessere Ware geliefert.

Estrichdämmung verlegen: Anleitung

Vorarbeiten

Wir haben zunächst grobe Verschmutzungen und Hebungen (z.B. vom Innenputz) entfernt. Der Boden muss besenrein sein. Wir sind zusätzlich mit einem Industriestaubsauger durchgelaufen.

1. Randämmstreifen anbringen

Randdämmstreifen antackern

Randdämmstreifen antackern: Nützlich war hier der Elektrotacker

Unser Estrichleger hat uns angeboten einen Raum zusammen mit ihm auszulegen damit wir sehen wie es geht. Da er aber bereits so viele Praxis-Tipps gegeben hat, haben wir das Angebot nicht wahrgenommen und gleich selbst losgelegt. Zunächst wird der Randdämmstreifen angebracht. Die Höhe hatte er uns vorgegeben. Der Randdämmstreifen wird geklebt oder alternativ ganz oben getackert, wo der spätere Estrich die Tackernadeln nicht erreicht. In den Ecken sollte der Randdämmstreifen gut hineingedrückt werden damit der Fliesenleger es später leichter hat. Ist eine Rolle zu Ende, beginnt man mit einer neuen Rolle und überlappt den Randdämmstreifen um 10 cm.

2. Verlegerichtung festlegen

Nun geht es los. Ziel ist es bei den einzelnen Schichten möglichst wenig Fugen übereinander zu haben. Das erreicht man, indem man sich jeden Raum einzeln anschaut. Man sucht sich die längere Seite aus. In diese Richtung wird die oberste Schicht Trittschalldämmung für die Fußbodenheizung verlegt, weil diese ausgerollt wird. So spart man sich unnötiges geschneide. Die Schicht darunter wird quer dazu verlegt (kurze Seite). Das denkt man nun weiter bis man bei der untersten Schicht ist. Nun weiß man in welche Richtung die erste Lage verlegt wird.

3. Dämmung schneiden und verlegen

Zum Schneiden der Dämmung misst man die Dämmplatten aus oder legt die ganze Platte direkt an die Lücke. Nun wird ein Cutter komplett ausgefahren. Viele machen den Fehler mit einer kurzen Klinge zu arbeiten. Dadurch reißt man das Styropor und bekommt auch bei der alukaschierten PUR-Dämmung keine geraden/sauberen Schnitte. Die Klinge wird also weit ausgefahren und beim Schneiden möglichst flach gehalten. Wechselt die Klinge ruhig pro Raum ein Mal aus – 100 Stück Cutter-Klingen kosten bei Amazon weniger als 10 Euro, so dass man hierbei nicht sparen muss.

Die alukaschierten Dämmplatten werden ein mal tief angeritzt und gebrochen. Anschließend schneidet man die Aluschicht auf der Rückseite durch – fertig. Damit die Dämmplatten beim Verlegen nicht unnötig verrutschen, haben wir diese mit einfachem Paketband untereinander fixiert.

EPS/Styropor Dämmung verlegen

EPS/Styropor Dämmung verlegen – hier das Schlafzimmer im OG

PUR alukaschiert verlegen

PUR alukaschiert verlegen: Hier der Küchenbereich

 

Tipp

Beginnt mit einfachen Räumen und nicht mit dem Hauswirtschaftsraum: Sonst habt ihr gleich am Anfang keine Lust mehr drauf. 😉 Wenn man die ersten zwei bis drei Räume fertig hat, geht es deutlich schneller und einfacher.

4. Trockenschüttung (Perlite)

Trockenschüttung / Perlite

Trockenschüttung / Perlite – hier im Bereich der Duschrinne

Da wo Kabel und Rohre kreuzen, werden die Dämmplatten geschnitten. Die Hohlräume werden mit einer Trockenschüttung ausgefüllt. Verwendet dafür kein Styropor, weil dieses die Dämmung unterwandert! Es sollten Perlite sein. Dieses Granulat hat gute Dämmeigenschaften und fällt nachdem es zusammengedrückt wird auch nicht so leicht auseinander. Fällt alle Löcher mit Perlite und überdeckt diese um 10% der Füllhöhe. Anschließend die nächste Platte drauf und mit dem eigenen Körpergewicht festigen. Für den Bereich mit den vielen Kabeln (Schutzrohre) haben wir ein Paket 30 mm alukaschierte PUR-Dämmplatten bestellt. Diese haben wir nach einer Schicht Perlite drauf gepackt. Die Dämmplatten haben natürlich die besseren Dämmwerte und sind auch stabiler als Perlite-Schüttung. Der Tipp kam vom Estrichleger. 🙂

Fazit zur Estrichdämmung in Eigenleistung

Die Estrichdämmung selbst zu machen war eine gute Idee. Man spart wirklich einiges an Geld. Nebenbei macht man es als Bauherr sogar noch ordentlicher als der Estrichleger (hat er selbst zugegeben!). Die Estrichleger wären mit unserem Fußbodenaufbau in 3 Tagen durch gewesen. Da wird halt etwas großzügiger abgeschnitten, um nicht nachschneiden zu müssen und der Rest mit Trockenschüttung aufgefüllt. Wir haben zu zweit in etwa 2 Wochen gebraucht. Das war sicherlich nicht einfach, weil wir teilweise auch in der Nacht gearbeitet haben. Letztendlich sind wir aber froh in Eigenleistung die Estrichdämmung verlegt zu haben und mit dem Ergebnis sehr zufrieden.


Estrichdämmung im Arbeitszimmer

Estrichdämmung im Arbeitszimmer

Styropor Dämmung im Bad

Styropor Dämmung im Bad

Damit ist die Estrichdämmung verlegt. Im nächsten Beitrag beschreibe ich, wie wir die Trittschalldämmung bzw. Tackerbahn verlegt haben, um darauf die Fußbodenheizungsrohre zu tackern.

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Hallo, vielen Dank für die Tipps. Die Estrichdämmung hatten wir bisher gar nicht auf dem „Eigenleistungs-Radar“. Was mich doch ein bisschen wundert ist, dass der Estrichleger den Bodenaufbau vorgibt? War nicht vor dem Bau vom Architekten genau festgelegt, wie der Aufbau und der Dämmstandard sein soll? Dass der dann die Staubsaugerleitungen nicht berücksichtigt ist ja auch komisch… wir haben eine Bodenplatte, drumherum ganz viel Schaumglasschotter. Da ist die meiste Dämmung eh außen 😉 Innen dann nur noch 50 mm Styropor, da würde der u-Wert mit PUR ca. 0,07 besser werden… aber das ist schon eine heftige Investition für den kleinen… Weiterlesen »

Andreas

Hallo,

hast du ein Tipp wieviel Dämmung man bestellen soll ausgehend von den Quadratmetern der Wohnfläche? Entsteht viel Verschnitt oder reicht es wenn man genau bestellt? Wenn man z.B. 150m² Wohnfläche hat und keine Schrägen, wieviel m² Dämmung sollte man kaufen?

Schöne Grüße
Andreas

Tanja

Hallo!
Wir sind über g..gle schon öfter auf dieser Internetseite gelandet und haben uns gute Tipps geholt. Super!

Nun habe ich eine Frage: gibt es den oben erwähnten Beitrag >>wie wir die Trittschalldämmung bzw. Tackerbahn verlegt haben, um darauf die Fußbodenheizungsrohre zu tackern.<< schon in Ihren Berichten? Ich kann den Beitrag nämlich leider nicht finden.

Wir wollen nämlich in Kürze auch diese Arbeiten ausführen.

Gruß,
Tanja

Markus

Hallo Konstantin, vorab erst einmal ein ganz fettes Lob für diesen Blog. Seit Monaten verfolge ich voller Spannung das Treiben auf deiner Homepage und freue mich jedesmal wieder über neue Beiträge. Wir werden Anfang 2016 mit unserem Hausbau-Projekt starten und sind gerade in der heissen Planungsphase. Da wo es uns sinnvoll erscheint, möchten wir – nicht zuletzt auch motiviert durch Deinen Blog – möglichst viel in Eigenleistung erbringen. Die Estrichdämmung gehört da auf jedenfall zu. Derzeit diskutieren wir, was alles infloor oder besser onfloor gelegt werden soll. In der Regel hört man davon, dass Heizung/Sanitär und Eletkro meist infloor (also… Weiterlesen »

Markus

Hallo Konstantin, danke für dein Feedback! Ja, vermutlich ist folgender „Kompromiss“ in unserem Fall der günstigste: Sanitär und Lüftung onfloor (sofern der Lüftungsbauer nicht auf infloor besteht) und Elektro infloor. Da ich ein ziemlicher Verfechter von Leerrohren bin, bestünde sicherlich kein besonderes Risiko von evtl. Kabelbrüchen beim Betonieren. Da die Lüftungsrohre aber 7cm oder sogar 7,5cm dick sind, werde ich allerdings statt 7cm wohl 8cm für die entsprechende Dämmebene vorsehen… Ich denke, wir werden das dann erstmal so planen. Aber wer weiss, am Ende kommt es bekanntlich dann ja oftmals doch anders 😉 Allzeit viel Spaß in eurem inzwischen fertiggestelltem… Weiterlesen »

Heiko

Hallo Konstantin, ich habe noch eine Frage zum Aufbau der Fußbodendämmung. Wieso habt Ihr noch eine 2cm dicke EPS Dämmung eingebaut? Hätte man nicht die PUR Dämmplatte stärker wählen können? Hat die obere 20 mm PUR Dämmplatte eine besondere Funktion oder warum wurde sie eingebaut?
Danke schon einmal für Deine Antwort. Wir sind auch gerade beim planen der Fußbodenwärmedämmung.
Schöne Grüße,
Heiko

Paula

Hi Konstantin,

ich habe mich vor jedem Schritt bei dir auf Deinem Blog informiert und habe somit viele Erkentnisse gewonnen. Ich habe da eine Frage über Estrichdämmung.
In den Anleitung wird als erstes mit dem Randdämmstreifen angefangen. Auf dem Bildern hast du doch zunächst einmal die Dämmung verlegt, dann Randdämmstreifen und dann die Trittschalldämmung gelegt oder? Bei mir steht jetzt dieser Schritt an und ich will es auch selber machen, damit ich es genauer machen kann und ein bisschen Geld sparen kann.
Danke für dein Feedback.

Gruß
Paula

Kurt

Hi,

ich bin in meinem Altbau auch kurz davor die Fussbodenheizung zu legen.
Ich habe vor 5 CM Pur Dämmung zu verlegen und darauf direkt mein Rohr.
Die Dämmung bekommt oben eine gerasterte Folie . Unter der Pur Dämmung, welche beidseitig Alukaschiert ist, wollte ich keine PE Folie verlegen. Ich hoffe das kann man so machen?!

Desweiteren werde ich die Fugen der Platten mit Aluklebeband dichtkleben. An den Rändern der Wände liegen ca 15cm Stromkabel, welche ich nachdem ich die Dämmung angestoßen habe, mit einer Mischung Zement und Perlite füllen. Die Rasterfolie wird dann über die ganze Fläche gelegt.

Was hällst du von dem Vorhaben?

Valeri

Hallo Konstantin,

wie groß war der gesamte Bodenaufbau für die einzelnen Geschoße und die Höhe der Türen beim Rohbau bei euch? Habe schon unterschiedliche Angaben gehört und möchte hier nichts falsch machen.

Danke und Gruß

Benny

Hallo Konstantin,

Erstmal Respekt und herzlichen Dank für den netten Blog, der sehr viele nützliche Tipps hat.Nun habe ich eine Frage.Du schreibst ihr habt im EG einen Bodenaufbau von 19cm!?Bei einer 50er und drei 20er Platten bin ich doch bei 11cm und dann kommt die tackerplatte für die FBH noch mit 3cm drauf oder?Bin ich bei 14cm?!1,5cm Fliesen sind 15,5cm?Bleiben noch 3,5cm für Estrich?Oder hab ich einen Denkfehler?
Danke im voraus.

LG Benny

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