Luft-/Wasser-Wärmepumpe: Was spricht für und gegen die Heizung?

Im Laufe der Hausbau-Planung steht die Entscheidung für ein Heizsystem an. Wer sich die Heizsysteme im Vergleich anschaut, ist verunsichert. Vor allem: Je länger ich mich in das Thema eingelesen habe, desto unsicher wurde ich, welches System für uns das beste ist. Jeder empfiehlt etwas anderes und hat eigene Vergleichstabellen. Ölheizungen gelten als veraltet und werden im Neubau nicht mehr eingesetzt. Es gibt aber eine Reihe von anderen Heizsystemen, um den eigenen Wohnraum warm zu halten. Wir haben uns letztendlich für eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe entschieden.

Mit der Heizung habe ich mich recht früh beschäftigt und bereits viel gelesen. Das Problem: Jeder Hersteller und jeder Ingenieur hat seine eigenen Vergleichstabellen in denen die Wirtschaftlichkeit eines Heizungssystems berechnet wird. Doch welche ist ökonomisch die für uns beste? Geschwankt habe ich zwischen einer Luft-/Wasser-Wärmepumpe und einem Gas-Brennwertkessel. Eine Ölheizung kam nicht in Frage, weil die Energiekosten zu hoch sind. Preise für Pellets sind auch stark angestiegen und außerdem braucht man dafür wiederum ein Lager. Fernwärme ist bei uns nicht möglich. Gas-Brennwertheizungen sind in der Anschaffung sehr günstig und effektiv. Allerdings wollte ich ungerne direkt von fossilen Brennstoffen abhängig sein.

Welche Wärmepumpe soll es sein?

Es bleiben nur noch die Wärmepumpen: Eine Wasser-/Wasser-Wärmepumpe ist die effektivste Variante (höchste COP’s). Sie wandelt das 7 bis 12°C warme Grundwasser in Wärmeenergie um. Allerdings ist es nicht ganz so einfach eine Wasser-/Wasser-Wärmepumpe zu planen. Auch die Wasserqualität muss hoch genug sein (arm an mangan und eisen). Die zwei erforderlichen Brunnen haben oft eine begrenzte Lebenszeit. Im optimalen Fall können Brunnen aber mehrere Jahrzehnte halten. Ist man in einem Trinkwasserschutzgebiet, hat sich das mit der Wasser-/Wasser-Wärmepumpe eh erledigt. Die Sole-Wärmepumpe ist nicht ganz so effizient. Es müssen tiefe Erdbohrungen gemacht werden – daher ist sie in der Anschaffung sehr teuer. Alternativ kann man sich Erdkollektoren legen lassen. Vorausgesetzt man hat ein entsprechend großes Grundstück. Für uns daher ein Ausschlusskriterium. Ich brauche keine Wärmepumpe, die sich erst nach 30 Jahren oder nie rechnet (Zinsen).

Wasser-Wärmepumpe - das Prinzip Sole/Wasser-Wärmepumpe - Das Prinzip

Es bleibt die Luft-/Wasser-Wärmepumpe. Sie ist die günstigste Wärmepumpe. Es sind keine Genehmigungen einzuholen und keine aufwändigen Installationen durchzuführen. Aufgestellt wird im Garten ein Außengerät, welches wie eine Klima-Anlage – nur umgekehrt – funktioniert. Das Außengerät entzieht der Luft Wärme und gibt daher kältere Luft ab. Die Außenluft erhitzt dabei ein Kältemittel, welches in’s Haus transportiert wird. Im Haus befindet sich ein Kompressor/Verdichter, der das gasförmige Kältemittel heißer werden lässt.

Luft/Wasser-Wärmepumpe - Das Prinzip

Folgende Luft-/Wasser-Wärmepumpen Anlagen gibt es: modulierende Anlagen, mit Invertertechnik, Wasserführung oder welche mit elektrischer Zusatzheizung. Jeder Typ hat Vor- und Nachteile.

Kosten einer Luft-/Wasser-Wärmepumpe

Außengerät einer Daikin Luft-Wärmepumpe

Außengerät einer Daikin Luft-Wärmepumpe (Bild: Daikin)

Wie sieht das mit den Kosten bei einer Luft-/Wasser-Wärmepumpe aus? Um eins vorweg zu sagen: Auch wenn Luft kostenlos ist, ist die Luft-WP als Heizung nicht kostenlos. Denn im Betrieb verbraucht sie Strom. Im Vergleich zur Gasheizung spart man sich den Gasanschluss. Wer keinen Kamin möchte, kann sich den Schornsteinfeger sparen. Die Wartungskosten sind ebenfalls moderat. So fallen im Jahr etwa 50 bis 100 Euro Wartungskosten an. Ein Kälte/Klima-Techniker prüft die Kältemittelleitungen auf Dichtheit. Ab und zu muss je nach Anlage auch ein Filter gereinigt oder ausgetauscht werden.

Die einmaligen Kosten betragen bei Luft-/Wasser-Wärmepumpen:

  • Materialkosten für die Wärmepumpe: ca. 12.000 bis 16.000 €
  • Zubehör wie Rohrleitungen: 1.000 €
  • Installation der Wärmepumpe (Arbeitskosten für Handwerker): 1.500 € bis 2.500 €

Der Gesamtpreis ist nicht gerade klein. Von unserem Architekten wurden für die komplette Heizung weniger Kosten eingeplant. In den letzten Wochen habe ich viel gelesen und mich zu Luft-/Wärmepumpen informiert. Bereits jetzt habe ich 3 Favoriten. Meiner Meinung nach macht es keinen Sinn eine deutlich teurere Luft-/Wasser-Wärmepumpe zu verbauen, wenn man im Vergleich zu einer günstigeren Wärmepumpe pro Jahr nur 50 Euro einspart, weil die teurere etwas effektiver arbeitet. Ich habe bereits zwei Angebote vorliegen. Aktuell tendiere ich eher zum günstigeren Modell. Wichtiger als der Hersteller bzw. der Name ist meiner Meinung nach die Auslegung der Luft-/Wasser-Wärmepumpe. Werden hier Fehler gemacht, kann sich das rächen.

Kritik an Luft-/Wasser-Wärmepumpe: Nicht effizient und laut

Luftwaermepumpen Systeme: Mitsubishi Ecodan

Luftwaermepumpen Systeme: Mitsubishi Ecodan (Bild: Mitsubishi Electric)

Zwei Nachteile werden von Kritikern immer wieder aufgeführt: Die Luft-/Wasser-Wärmepumpe sei nicht effizient und zu laut. Schauen wir uns den ersten Punkt an: Hier ist der COP-Wert der Anlage zum einen wichtig. Heute Geräte haben A2/W35 (2°C Lufttemperatur zu 35°C Vorlauftemperatur) einen COP-Wert zwischen 3,5 und 4,4. Die Effizienz der Luft-Wärmepumpe wird in der JAZ (Jahresarbeitszahl) gemessen. Es ist das Verhältnis von jährlich gewonnener Nutzwärme zu verbrauchten Strom. Einfach ausgedrückt erzeugt eine Luft-Wärmepumpe mit einer JAZ von 4,0 aus 1 kWh Strom genau 4 kWh Wärme. In der Praxis werden die Herstellerwerte leider selten erreicht. Das Problem ist, dass die Luft-Wärmepumpen gerade bei Minusgraden und wenn sie gebraucht werden, nicht sehr effizient arbeiten. Zusätzlich muss ein Heizstab bei den meisten Geräten ab einer gewissen Temperatur zuheizen. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz etwa stuft Luft-Wärmepumpen mit einer JAZ größer als 3 als gut und unter 2,5 als schlecht ein.

Tipp: Verbrauchsdatenbank für Wärmepumpen checken

An dieser Stelle kann ich einen Blick auf die Webseite www.waermepumpen-verbrauchsdatenbank.de empfehlen. Bauherren können hier ihre Verbrauchswerte und JAZ sowie die verwendete Luft-Wärmepumpe und Konfiguration eingeben. Man kann nach einzelnen Herstellern filtern, so dass man in etwa eine Tendenz bei den einzelnen Geräten erkennen kann.

Der zweite Punkt ist die Geräuschemission. Luft-/Wärmepumpen müssen zur Förderung der Luft einen oder mehrere Ventilatoren haben. Die erzeugen Geräusche, die je nach Modell und Aufstellung nicht nur einen selbst, sondern auch Nachbarn nerven können. Hierbei muss man tatsächlich Fingerspitzengefühl haben. Bei der Aufstellung sollte man berücksichtigen:

  • Entfernung zum Nachbarn
  • Sind eigene Schlafzimmer in der Nähe?
  • Hat der Nachbar Schlafzimmer in Ausblasrichtung?
  • Ist das Außengerät an der Wand (schlecht) oder an einem freistehenden Betonsockel (besser)?

Außerdem gibt jeder Hersteller in den technischen Daten den Schallpegel bei einem Betrieb der Wärmepumpe nach EN ISO bzw. den Richtlinien des EHPA-Siegels an. Meistens sind das dann ca. 50 bis 60 dB(A). Wir werden wahrscheinlich eine Hecke an die Stelle setzen, um den Nachbarn nicht unnötig zu stören. Der Aufstellungsort ist bei uns etwas begrenzt, aber das wird mit dem Kältemitteltechniker noch genau abgesprochen.

UPDATE: Statt einer Luft-/Wasser-Wärmepumpe haben wir uns für eine effizientere und in der Anschaffung günstigere Sole-Wärmepumpe mit Grabenkollektor entschieden. Mehr dazu im Artikel zur Erstellung des Grabenkollektors.

Unsere Heizung wird eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe. Welcher Hersteller und wobei wir beim Einholen von Angeboten achten, werde ich in einem zukünftigen Beitrag beschreiben.

[Titelbild: Dimplex]


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Geschrieben von

Konstantin (Jahrgang 1984) lebt bei Hannover und ist Autor dieses Blogs. Zusammen mit seiner Frau Anna und mit Unterstützung von Familie und Freunden baut er sich sein Traumhaus.

9 Kommentare

  1. Hi!
    Finde ich gut, dass Du das Thema Lärm ansprichst. Hier kann man ganz schnell den Zorn der Nachbarn auf sich ziehen. Zudem sind in Baugebieten auch Grenzwerte nach der TA Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm) einzuhalten. Du schreibst von 50 – 60 dB(A) dort, wo der Lärm entsteht (Emissionsort). Einen halben Meter vor dem Schlafzimmerfenster des Nachbarn (Immissionsort) dürfen es nur noch 40 (allgemeines Wohngebiet) oder 35 (reines Wohngebiet) sein. Da der Lärm je 10 dB(A) mehr als doppelt so laut empfunden wird, heißt das, bei den Nachbarn darf nur 1/4 des Lärmpegels ankommen. Aber auch bei knapper Einhaltung der Grenzwerte werden die Nachbarn keine Freunde, wenn Sie gewohnt sind, bei offenem Fenster zu schlafen.
    Die geplante Hecke dient lediglich der Optik, schalltechnisch bleibt sie ohne Wirkung (es sei denn sie ist gestaffelt und mehrere Meter dick). Eventuell dämpft sie leicht in den höheren Tonlagen. Also: besseren Aufstellungsort finden oder jemanden fragen, der sich mit Schall auskennt.

    Weiterhin gutes Gelingen
    Sven

  2. Konstantin, ich vermute, dass du diese Seite meintest. waermepumpen-verbrauchsdatenbank.de

  3. Hallo Adam,

    ganz genau die meinte ich. Habe es im Text korrigiert. Vielen Dank.

  4. Hi Konstantin,

    danke für den aufschlussreichen Artikel. Wir sind auch gerade bei der Heizungsfrage im Neubau. Ich glaube es wird wohl doch ein Gas-Brennwertkessel.
    Alleine die Lärmbelästigung, nicht nur die der Nachbarn, sondern auch die eigene, ist für mich glaube ich ein K.O. Kriterium für die WP.

  5. Hallo Armin,

    aus dem Grund und weil sie oft ineffizient arbeitet sind wir doch von der Luft-WP weg.

    Viele Grüße,
    Konstantin

  6. Hallo zusammen,

    baue im September auch ein Haus und möchte auch eine LWP als Heizung einsetzen. Der Wirkungsgrad ist zwar auch wichtig, jedoch ist die Geräuschentwicklung das wichtigste Kriterium für mich und meinen Nachbarn. Hat Jemand Erfahrung, wie weit das Außengerät vom Nachbarn entfernt stehen sollte? Ich habe ca. 5 Meter bis zur Straße, dann nochmal ca. 5 Meter über die Straße drüber und dann noch einmal ca. 5 Meter bis zur Hauswand des Nachbarn. Das sollte doch reichen oder?

    Würde mich sehr freuen über ein Feedback!

    Grüßle

    Yves

  7. walter gumrich Reply

    Hallo yves, bei der Entfernung ist selbst eine WP mit 52 dB A nicht mehr hörbar, die, die Du voraussichtlich brauchst haben nur 46 dB A.
    Meine 5 Kw von Mitsubishi ist von derofenfuchs.de aus Hamburg sie ist nur sehr leise hörbar in 2 Meter Abstand.

    Gruß W. G.

  8. Hi, ich habe ein anderes Problem. Wir haben eine zusage für Grundstück bekommen. Und mir erst jetzt aufgefallen, dass direkt an die Grenze eine LWP vom Nachbar installiert ist. Jetzt ist Sommer, ich kann nicht mal einschätzen wie laut ist die.
    Ich vermute dass bis unseres Haus ca 3 Meter wird… reicht es aus?
    Blöde weise sind wir schlafen mit offene Fenster … auch in der Winter 🙂

    Jetzt muss ich klären ob Installation diese LWP eine Ausscheidungskriterie für diese Grundstück ist.

    Kann jemand helfen?

    Gruß
    Oleg

  9. je nach alter und hersteller können die anlagen von sehr leise bis sehr laut leider alles sein..
    ich persönlich würde so ein teil nicht einige meter vor meinem offenen fenster haben wollen..

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