Malerarbeiten: Malervlies kleben und streichen in Eigenleistung

Malerarbeiten sind typische Arbeiten, die man als Bauherr gut in Eigenleistung erledigen kann. Für uns war von Anfang an klar diese selbst zu erledigen. Man darf die Menge an Arbeit bei einem Einfamilienhaus allerdings nicht unterschätzen. Allerdings Wir haben die Malerarbeiten bereits vorher in unserer Wohnung, bei Verwandten gemacht und außerdem habe ich einen guten Freund, der früher Maler war. Doch wie macht man die Malerarbeiten, welche Farbe sollte man nehmen und was für Vorteile bringen Tapeten?

1. Untergrundvorbereitung

Gipsputz bei Streiflicht

Gipsputz bei Streiflicht

Bei unseren Innenputzarbeiten ist einiges schief gelaufen. Das war auch der Grund weshalb ich mich entschlossen habe den gesamten Putz mit einem Trockenbauschleifer „glatt“ zu schleifen. Dellen auf dem Putz konnte ich dadurch erfolgreich entfernen und glaubt mir – das sah vorher nicht schön aus. Ein Foto vor dem Schleifen habe ich euch rechts angehängt.

Wände schleifen

Wände schleifen

Ich habe mir also im Internet einen Trockenbauschleifer (Menzer TBS 225), 180er Schleifgitter (25 MioTools Klett-Schleifgitter) und Staubschutzmasken (3M Aura Atemschutzmaske) bestellt. Mit einem Industriestaubsauger und dem Trockenbauschleifer bewaffnet habe ich alle Wände geschliffen. Das war eine extrem staubige und kraftraubende Angelegenheit. Für alle Wände, Dachschrägen (Trockenbau) und Decken habe ich zwei Tage gebraucht. Dabei musste man aufpassen, dass man nicht zu lange auf einer Stelle schleift. Sonst verwandelt sich die glatte Struktur vom Gipsputz in einer körnige Struktur, weil kleine Sandkörner freigeschliffen werden. Nach der schweißtreibenden Arbeit waren aber alle Wände glatt geschliffen, um weiter bearbeitet zu werden.

Im nächsten Schritt mussten alle zu streichenden Oberflächen mit Tiefengrund LF (seboprim Qualitäts Tiefengrund) vorbehandelt werden. Dellen habe ich mit Knauf Sheetrock Light gespachtelt und anschließend grundiert. Grundieren kann man indem man den Tiefengrund direkt mit Quast/Deckenbürste oder Pinsel aufträgt. Alternativ kann einem Drucksprühgerät Tiefengrund aufgetragen und mit einer Deckenbürste verstrichen werden. Da wo wir Malervlies geklebt haben – das war der Großteil der Fläche – haben wir Tapetengrund (Pufas Tapetengrund weiß) verwendet. Mit Tapetengrund vorbehandelte Flächen sind grundiert und fertig zum bekleben mit Tapeten. Farbunterschiede (Spachtel) der Wände werden ausgeglichen und außerdem erhält die Wand einen ersten weißen Voranstrich. Malervliestapete lassen ohne Tapetengrund die Wand durchschimmern. Die Folge sind mehrere erforderliche Anstriche, die wir uns wegen dem Tapetengrund sparen konnten.

Filigrandecke spachteln

Zu den Malerarbeiten gehört auch das Spachteln von Filigrandecken. Da wo die Filigrandecken aneinander stoßen, sind an der Decke Lücken. Die kleinen Lücken sind schnell mit Gipsputz zugespachtelt. Bei den breiten Fugen (Überzug) haben wir zunächst mit Flex-Fliesenkleber grob gespachtelt und zwar so, dass man später noch mit Feinspachtel arbeiten konnte ohne den Flexkleber schleifen zu müssen – der wird nämlich sehr hart. den Tipp hatte mir ein Bauleiter gegeben. Der Grund: schaut aus dem Unterzug noch von der Deckenbewehrung etwas Stahl und man spachtelt es nur mit Gipsputz zu, könnte es sein, dass der Rost sich „durch den Gipsputz“ frisst. Man hätte nach den Malerarbeiten irgendwann an diesen Stellen gelb-braune Flecken. Daher erstmal Flexkleber, dann Gipsputz und am Ende nochmal mit Feinspachtel drüber. Hier hat sich der Flächenspachtel sehr bewährt.

Malerarbeiten: Decke gestrichen

Malerarbeiten: Decke gestrichen

2. Tapete oder direkt Streichen?

Nehmen wir Tapete oder streichen wir direkt? Diese Frage war nicht leicht zu beantworten. Fakt ist: Wir wollten keine Raufasertapeten. Stattdessen sollten Wände, Decken und Schrägen schön glatt sein. Nach mehreren Gesprächen mit unterschiedlichen Malern und Verwandten hatten wir folgendes Ergebnis:

  • Bäder: Streichen mit Silikatfarbe (Biofa SOLIMIN Silikatfarbe weiß)
  • HWR: Grundieren mit Tiefengrund LF und streichen mit Dispersionsfarbe
  • Alle anderen Räume: Tapetengrund, Malervlies-Tapete und Streichen mit Dispersionsfarbe
  • Garage: Streichen mit Kalkfarbe / Sumpfkalk TODO

Warum eine Malervlies-Tapete? Im Verwandtenkreis haben bereits mehrere Bauherren Malervlies-Tapeten geklebt. Sie sind zugegebenermaßen nicht ganz günstig, haben aber eine Reihe von Vorteilen, weshalb wir uns dafür entschieden haben:

  • überbrückt kleine Risse
  • lässt sich spachteln
  • gleicht kleine Unebenheiten der Oberfläche aus
  • schimmelresistent
  • hautsympathisch
  • atmungsaktiv
  • trocken von der Wand abziehbar

Malervlies-Tapeten haben wir an allen Innenwänden (Gipsputz, Gipskarton), an allen Decken und Dachschrägen geklebt. Die Vorteile haben uns überzeugt – vor allem, dass die Tapete bei kleinen Putzrissen rissüberbrückend wirkt. In der Praxis sieht man die bei einem Neubau entstehenden Risse im Gipsputz und auf Gipskartonplatten nicht. Man muss also nach 2 Jahren nicht mit Acryl und Farbe nachbessern.

Welche Dispersionsfarbe?
Caparol Indeko Plus Dispersionsfarbe

Caparol Indeko Plus Dispersionsfarbe

Vor dem Hausbau hatte ich meinen Kumpel gefragt, welche Farbe ich für unseren Neubau wählen soll. Seine Antwort war: „Die teuerste Farbe.“. Tatsächlich sollte man bei der Wahl der Farbe nicht sparen. Doch wo sollte man Farbe kaufen – Baumarkt, Internet oder Fachhandel? Hier kann ich aus eigenen Erfahrungen euch eine Farbe empfehlen. Ich habe in der Vergangenheit mit unterschiedlichen Farben von Obi, Hornbach, vom Baustoffhändler und auch aus dem Fachhandel gearbeitet und bin bei einer Farbe stehen geblieben, die für mich die perfekte Dispersionsfarbe ist. Es ist Caparol Indeko plus. Der Eimer (12,5 L) kostet zugegeben mit knapp 82 Euro (Online etwas günstiger als im Fachhandel – siehe hier) viel. Aber es lohnt sich! Denn die Farbe lässt sich super verarbeiten. Sie spritzt kaum, deckt beim ersten Anstrich, hat einen sehr hohen Weißgrad und ist geruchsarm. Gerade die Deckkraft hat mich überzeugt. Im Baumarkt kostet ein Eimer Farbe oft 30 bis 40 Euro. Das Problem ist aber: Es sind mit einem Farbeimer aus dem Baumarkt oft zwei bis drei Anstriche nötig. Demnach zahlt man in etwa den gleichen Preis, hat aber die doppelte Arbeit.

3. Eigenleistungen bei Malerarbeiten?

Beim Gewerk „Malerarbeiten“ lassen sich bis zu 70 Prozent einsparen. Selbst wenn man Pinsel, Farbroller, Abstreifgitter und andere Werkzeuge neu kaufen muss, ist man deutlich günstiger dran.

Küche Malerarbeiten

Malerarbeiten in der Küche

Maler Tapeziertisch

Maler Tapeziertisch

Typisch für Malervlies-Tapeten ist, dass der Kleister auf die Wand und nicht auf die Tapete aufgebracht wird. Allerdings hatten wir hatten einen speziellen Tapeziertisch bei dem der Kleister automatisch auf die Tapeten aufgebracht wurde. Das hat enorm Zeit gespart. Für die Tapezierarbeiten haben wir uns zwei Maler genommen, weil wir als Laien sonst sicherlich 3 bis 4 Wochen länger gebraucht hätten. Wir haben mit Zuarbeiten den Preis gesenkt:

  • Wir haben alle Spachtelarbeiten erledigt.
  • Wir haben die Materialien besorgt.
  • Wir haben die Fenster abgeklebt und im EG Malervlies auf dem Boden ausgelegt.
  • Wir haben die Wände und Decken grundiert.
  • Zuletzt haben wir die Wände gestrichen.

Tipp zum Fenster abkleben
Feinkreppband / Malerkrepp

Feinkreppband / Malerkrepp

Ich hatte mehrere verschiedene Kreppbänder. Immer wieder die gleichen Probleme: Entweder das Kreppband kleppt nicht richtig oder es klebt gut und dafür löst sich der Kleber bei Sonneneinstrahlung, so dass man die Fenster schrubben kann. Selbst mit den teuren Tesa-Kreppbändern war ich unzufrieden bis ich folgendes gefunden habe: Feinkrepp Band der Firma FARMA – das Zeug hält gut und lässt sich auch noch nach mehreren Wochen rückstandslos entfernen (mehrmals getestet)

Falls bei euch doch Kleberückstände zurückbleiben: Noch besser als jeder Kunststoffreiniger ist Desinfektionsmittel. Den Tipp habe ich von meinem Schwiegervater bekommen. Er arbeitet als Hausmeister in einer Klinik und hat sich auch lange mit Kleberesten an Fenstern rumgequält bis er das Mittel probiert hat, was man in einer Klinik eben findet: Desinfektionsmittel. 🙂


Bei unserem Neubau haben sich zwei Personen zwei Wochen lang nach Feierabend mit dem Tapezieren beschäftigt. Drei bis vier Personen haben abgeklebt, Ecken nachgeschliffen und gestrichen. Dann waren auch die groben Malerarbeiten abgeschlossen.


Wie geht es weiter?

Die Malerarbeiten sind teilweise abgeschlossen. Es fehlen noch einige Trockenbauarbeiten im Wohnzimmer. Den Winter über nehme ich mir außerdem die Garage vor, die bislang nur verputzt wurde. Dazu gibt es später einen Beitrag. Als nächstes kann bereits mit dem Laminat verlegen begonnen werden. Das Schlafzimmer haben wir als „zentralen Raum“ erstmal nicht gestrichen, um hier Laminat schneiden zu können und andere schmutzverursachenden Arbeiten zu machen.

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12 Kommentare

  1. Hallo Anna und Konstantin,

    ihr habt wirklich viel Kraft investiert und ein sehr schönes Haus gebaut, ich habe eure Blog immer verfolgt und finde es toll was ihr geschafft habt. Wir sind Anfang des Jahres auch in unseren Neubau einzogen haben aber leider net so viel Zeit bei manchen Sachen gelassen und dies bereue ich heute…. LWWP ist da ein Stichwort. Was mich interessiert, ob ihr bei Temperaturen um die 0 grad auch feuchte Fenster habt, bei uns ist immer der hintere Rand der Fenster feucht, der Fensterbauer schiebt es auch den Neubau im Internet finden man dazu verschiedene Meinungen

    Grüße

    • Hallo S.k,

      danke. Ja, wir sind auch nur wegen Recherchen in Internet-Foren von der LWWP weg. Unsere Fenster sind innen seit unserem Einzug nicht mehr feucht gewesen. Wir haben das Haus aber auch gut durchtrocknen lassen bevor wir eingezogen sind. Bei uns hatten Familienangehörige das gleiche Problem mit feuchten Fenstern. Allerdings mussten die sehr früh einziehen und hatten generell eine hohe Luftfeuchtigkeit. Bei uns liegt die Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 %. Liegt also alles im optimalen Bereich. Eher ist die Luft etwas zu trocken. Wir haben keine KWL (kontrollierte Wohnraumläuftung) und lüften das Haus (Stoßlüften) 2 bis 3 mal pro Tag – je nachdem wie wir es schaffen. Im Büro (in dem ich mich den Tag über länger aufhalte) muss ich sogar noch öfter lüften, weil mir die Luft zu schlecht wird. Bin derzeit sogar am überlegen mir eine dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung selbst einzubauen… . 🙂 Mal sehen. Bei weiteren Fragen bitte eine Mail schicken, weil das hier nicht ganz zum Thema (Malerarbeiten) passt.

      Viele Grüße,
      KonstantinM

  2. Hallo Konstantin,

    ein Traumhaus und richtig guter Baublog.
    Könnt ihr ggf. auch eine Vliestapete empfehlen? Wir sind auch mitten in der Bauphase und holen uns nun alle Tipps und Infos bzgl. Eigenleistung Malerarbeiten ein.
    Vielen Dank vorab.
    Aline

    • Hallo Aline,

      vielen Dank. Wir haben mit der Profhome Malervlies-Tapete gearbeitet…im gesamten Haus. Empfehlen können wir diese uneingeschränkt, obwohl sie doch etwas teuer ist. Ein befreundeter Maler meinte auch, dass sie sich sehr gut verarbeiten lassen. Wir haben seitdem auch keine Probleme damit – sieht einfach schön und glatt aus. Hier der Link: Profhome Malervlies Tapete

  3. Hi Konstantin,

    ich bin auch gerade dabei mir einen Händler zu suchen bei dem ich die Farbe beziehe. Habe mich allerdings für die etwas preisgünstigere Variante von Caparol entschieden, die CapaMaxx. Kannst du da einen Händler empfehlen?

    Gruß Denis

  4. Ich bin auch gerade dabei die Vliestapete zu streichen. Hierfür verwende ich von Südwest Profi XXL. Das wandvlies kommt von LECO und hat 155gr. Ich kann diese Konstellation nur empfehlen.

  5. Hallo Anna und Konstantin

    vielen Dank für diesen tollen Blog – macht wirklich Spaß zu lesen und zu sehen, wie es bei euch voran geht / ging.
    In meinem Neubau steht in ca. 4 Wochen ebenfalls das Tapezieren mit Vliestapete an, daher habe ich hier versucht alles genau zu lesen und zu verstehen – eine Frage ist allerdings doch aufgetaucht.
    Ihr schreibt, dass ihr mit dem Pufas Tapetengrund gearbeitet habt, um euch „mehrere Anstriche“ der Tapete zu ersparen.
    Aber die Vleistapete selbst hat ihr im Anschluss schon noch gemalert, richtig? Mit der beschriebenen Caperol-Farbe?

    Also von der Reihenfolge her:
    * (Fleck)Spachteln
    * Tiefengrund
    * Tapetengrund weiß
    * Kleister für Vliestapeten
    * Tapete drauf und dann
    * Wandfarbe drauf — Müsste hier nochmal eine weiße Farbe drauf, wenn die Wände weiß bleiben sollen oder reicht hier grundsätzlich auch die (weiße) Tapetenfarbe?

    Vielen Dank für euer Feedback und die Hilfe.

    Christian

  6. Wieso muss man die Wand für Malervlies grundieren? Ich dachte, man nimmt Vlieskleber und das war’s. Also direkt auf Putz sozusagen, ohne Grundierung.

    • Hallo Marko,

      die Wand würde sonst dem Kleber das „Wasser“ zu schnell entziehen. Daher die Grundierung auf dem Gipsputz.

  7. Hi !
    Super geschrieben! Mir fehlt nur eine Info, die du hoffentlich noch nachreichen kannst 🙂
    Häufiger lese ich,dass man das Vlies kleben und nicht Kleistern sollte, da sie sich sonst durch die Feuchtigkeit der Farbe wieder löst.
    Welchen Kleister habt ihr verwendet und hattet ihr Probleme in die Richtung? Für Tipps dazu wäre ich auch dankbar!
    Viele Grüße!

  8. Hi Thomas,

    zunächst hatte ich jede Menge Packungen Metylan Kleister geholt. Dann hatte mir der Maler einen Sack Kleister aus dem Fachgeschäft empfohlen. War deutlich günstiger und bei der Verarbeitung gab es keine Probleme. Bei der großen Menge hat sich der Sack (leider kenne ich die Bezeichnung nicht mehr) für uns gelohnt.

    Viele Grüße,
    Konstantin

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