Zimmertüren: Innentüren einbauen in Eigenleistung (Teil 2)

Mit den Zimmertüren haben wir uns Zeit gelassen. Etwa 6 Wochen nach Einzug waren Sie dann aber endlich drin. Wir hatten in der Zeit uns mit anderen Dingen beschäftigt und sind daher erst nach Einzug dazu gekommen uns Türen anzuschauen. Ganz ehrlich: Die erste Zeit kann man auch ohne Innentüren leben – auch mit einem Kind. 🙂 Zum Badezimmer hatten wir einen IKEA-Vorhang. Allerdings geht das natürlich nicht dauerhaft. Die Innentüren wollte ich zunächst von einem Tischler einbauen lassen. Letztendlich habe ich mich doch entschieden in Eigenleistung alle Türen einzubauen. Warum? Weil ich den Preis für die Montage doch übertrieben hoch war. Und hey: Wer die gesamten Trockenbauarbeiten selbst macht, schafft es auch Zimmertüren einzubauen. In dem Artikel gibt es daher spontan eine kleine Schritt-für-Schritt-Anleitung von mir.

Den vorherigen Beitrag mit einer Kaufberatung zu Innentüren solltest du vorab lesen.

1. Material- und Werkzeugliste

Neben den Türblättern und Zargen braucht ihr auch anderes Material. Damit nichts fehlt, habe ich euch eine Material- und Werkzeugliste zusammengestellt.

  • Hammer
  • Schlitzschraubendreher
  • Holzkeile
  • Verglasungsklötze in verschiedenen Stärken
  • Türspanner: Optimal wären 3 Stück. Ich hatte zwei Stück von einem Kumpel bekommen und konnte jeweils einen pro Tür unten benutzen. Wenn ich die Innentüren nochmal einbauen würde, dann würde ich mir das Montageset von Wolcraft kaufen (siehe hier).
  • Alter Lappen oder Handtuch
  • Holzleim (ich habe die Express-Variante genommen, so dass man nicht lange warten muss)
  • PU-Schaum, Reiniger und Pistole (hier ist ein gutes und günstiges Set)
  • Wasserwaage (nach Möglichkeit eine kurze und eine 2-Meter-Wasserwaage)

2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Einbau einer Innentür

Malervlies auslegen

1. Schritt: legt euch Malervlies aus und zwar in dem Raum in den die Tür öffnet. So schont ihr eure Türzarge.
Türzarge auslegen

2. Schritt: Legt die Türzarge aus. Es gibt 2 Längsfutter und einen Querfutter.

Holzleim Spalt Innentür

3. Schritt: Mache Holzleim in die Nut des ersten Längsfutters
Lamello-Plättchen/Holzfeder einsetzen

4. Schritt: Setze die Lamello-Plättchen (bzw. Holzfeder) ein.

Querfutter Holzleim auftragen

5. Schritt: Trage Holzleim auf die Verbindungsfläche und in die Nutz des Querfutters.
Querfutter und Längsfutter verbinden

6. Schritt: Verbinde Querfutter und Längsfutter miteinander. Tipp: Lege etwas Papier unter die Ecken. Sonst gibt es bei Verbindung von Holzleim mit Malervlies eine dreckige Türzarge.

Exzenter-Verbinder einsetzen-und-festziehen

7. Schritt: Setzen den Exzenter-Verbinder ein und ziehe den Verbinder mit einem Schraubendreher fest, sobald Quer- und Längsfutter bündig sind.
Mit Krallen Zarge befestigen

8. Schritt: Mit Krallen befestigst du abschließend die Türzarge. Je nach Zarge kann es auch sein, dass hier geschraubt werden muss (Krallenmutter).

Klammern ab der Zarge befestigt

9. Schritt: Hier sind alle Klammern befestigt. Wichtig: Gleich den herausquellenden Leim abwischen.
Türzarge verleimt

10. Schritt: Das wiederholt ihr mit dem anderen Längsfutter der Zarge.

11. Schritt: Die Türrzarge kann jetzt aufgestellt werden.

11. Schritt: Die Türzarge kann jetzt aufgestellt werden. Legt dazu mindestens einen Verglasungsklotz (2mm) auf beide Seiten. Mit der Wasserwaage richtet ihr die Türzarge zunächst am Querfutter aus. Legt dazu (falls nötig) weitere Verglasungsklötze drunter. Der Boden darf in dem Türöffnungsbereich nicht ansteigen, sonst würde ich die gesamte Zarge in dem Schritt nochmal anheben.
Türzarge ausrichten

12. Schritt: Der Abstand zwischen beiden Längsfutter-Teilen, sollte oben, in der Mitte und unten genau gleich sein. Es darf hier maximal eine Abweichung von 3 mm auf die gesamte Türlänge geben. Die Längsfutter müssen ebenfalls in Waage sein. Fixiere mit Keilen und Verglasungsklötzen die Türzarge. Anschließend mache ich es so, dass ich das Türblatt einhänge. So kann man optimal prüfen ob und wie gut die Tür schließt. Eventuelle Korrekturen sind immer noch möglich.
Info

Die Türspanner (hier selbst gemacht) müssen im Bereich des Türschlosses und der Türbänder platziert werden. Es sind mindestens drei Stück erforderlich.

Übrigens solltet ihr beim Schließen des Türblatts darauf achten, dass ihr den Türgriff im Raum habt. Sonst habt ihr euch schnell ausgeschlossen. 🙂


Zarge punktuell ausschäumen

13. Schritt: Die Zarge punktuell auf Höhe der Türspanner ausschäumen. Dazu habe ich 2K-PU-Schaum genommen. Den PU-Schaum aushärten lassen.
Türzarge ausschäumen

14. Schritt: Türzarge ausschäumen. Ich habe die Zarge komplett und voll ausgeschäumt (in 2 Etappen – nicht alles auf einmal, weil euch der Bauschaum sonst die Türzarge verzieht). Warum voll ausschäumen? 1.) wegen Schallschutz, 2.) stabiler und 3.) damit die Tür geschmeidiger zufällt.
Info

Es können anschließend alle Hinterfütterungen und Holzkeile entfernt werden. Die entstehenden Löcher können dann ausgeschäumt werden. Sobald der Schaum durchgehärtet ist, werden überstehenden Reste abgeschnitten.


Türbeschlag bohren

15. Schritt: Nun wird für den Türbeschlag gebohrt. Eine entsprechende Bohrschablone sollte vorhanden sein. Anschließend müsst ihr nur noch den Türbeschlag zusammenstecken/verschrauben
Zierbekleidung Innentür

16. Schritt: Jetzt wird noch die Zierbekleidung der Zarge angebracht.

3. Fazit: Zimmertüren selbst einbauen

Mit den 9 Innentüren war ich so in etwa eine Woche beschäftigt, wobei ich ich immer zwei Türen gleichzeitig eingesetzt und nicht durchgehend gearbeitet habe. Was jetzt noch fehlt, ist die Silikonfuge rund um die Türzarge. Die solltet ihr ziehen, damit euch beim feuchtem Bodenwischen nicht die Türzarge mit der Zeit aufquillt. Mit der Silikonfuge wollte ich 18 Monate nach Estrichverlegung beginnen. So hat sich der Estrich überall gesetzt (Stichwort Schüsselungen). Bei vielen Bauträgern wird sofort Silikon gezogen. Die Folge ist, dass nach 1,5 Jahren die Silikonfuge aufreißt und erneuert werden muss.

Zum Thema Innentüren in Eigenleistung einbauen: Ich würde es wieder selbst machen, mir allerdings wie oben bereits erwähnt gleich gute Türspanner besorgen. Probleme gab es keine. Lediglich bei der Tür im Bad musste ich Türblatt und Türzarge um 5 mm kürzen, weil wir den Mauersturz etwas zu tief gesetzt haben. Mit meiner Kreissäge und Führungsschienen ging das aber einwandfrei (Abkleben nicht vergessen!). Was haben wir gespart? Für den Einbau ganz normaler Innentüren zahlt man beim Tischler 100 bis 150 Euro zzgl. 19% MwSt. – je nach Tür und Zarge und wenn es ein vernünftiger Tischler ist, der sich Zeit lässt. Bei 9 Türen wären das bei uns dann Montagekosten in Höhe von 1071 bis 1600 Euro, die wir gespart haben. Übrigens hatte uns der Architekt in dem Punkt deutlich niedrigere Lohnkosten berechnet – ursprünglich wollten wir die Zimmertüren komplett ohne Eigenleistungen einbauen lassen, weil die Lohnkosten im Vergleich zu den Materialkosten so gering sind. Durch die Eigenleistungen konnten wir zum einen qualitativ hochwertigere Türen kaufen und gleichzeitig auch noch ein paar Euro sparen.


Die Zimmertüren sind nun eingebaut. Es lässt sich damit doch deutlich besser leben. 🙂 Damit sind wir mit den wichtigsten Gewerken im Hausbau durch. Ich habe aber noch einige interessante Artikel für euch. Im nächsten Geht es etwa um eine Multimedia-Wohnwand, die ich selbst erstellt habe. Sie passt ganz gut zu unserem abgehängten Deckensegel mit eingebautem Beamer. Ihr dürft also weiterhin gespannt sein.

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3 Kommentare

  1. Hi,

    wo hattet ihr denn am Ende die Türen gekauft? Vielen Dank im Voraus!

    Viele Grüße,
    Uli

  2. Hallo Uli,

    die Türen haben wir bei Hensel gekauft. Schöne Grüße an die Mitarbeiter bei Hensel (von mir bzw. Hausbauen24.eu).

  3. Hallo dein Blog ist super und gibt uns als Bauherren gerade echt viele Hinweise und Tipps. Ich wollte mal nachfragen wo du deine Türen damals gekauft hast?
    Liebe Grüße

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